• Das Geheimnis des Daniel S.

    Da steht er also. Auf irgendeinem Aldiparkplatz oder was der Hintergrund sein soll. Hippe Mütze, hipp durchgesträhnter Pagenkopf mit viel zu langem, gestriegeltem Pony, künstliches Grinsen und nichtssagendes bravotaugliches Gebrabbel. Er hat eine Kartoffelnase und einen Leberfleck den ich nicht mag, der aber trotzdem ständig ins Blickfeld rutscht. Viel zu jung ist er auch. Schnitt. Wir sehen den gleichen Kerl nachdenklich irgendwo herumstehen, aufgesetzte Küsschengesten in die Kamera machen, etc, etc. Ein bisschen GZSZ, ein bisschen Klassenschwarm.
    Was ist es, Doktor? Ein Bravo-Teeniestar.

    Die Videoshow endet, und er steht wieder auf der Bühne, der blonden Bubi. Er trägt einen Anzug, das macht ihn zu einem Bubi mit Anzug. Dann hält der Moderator, an dessen Namen ich mich partout nicht erinnern will, endlich seinen Mund, es wird still.
    Ich lehne mich vor und versuche diesen einen Moment zu erwischen, in dem es passiert. Ich glaube, es ist der Augenblick wenn die Scheinwerfer heruntergeschraubt werden, noch bevor die Musik kommt. Aber sicher bin ich mir nicht. Schließlich erklingen die ersten Töne, und es passiert - der Bubi verwandelt sich.

    Ich weiß nicht wie er das tut, aber auf der Bühne steht definitiv ein anderer Mensch. Der Anzug sitzt plötzlich wie angegossen, mit der himmelhoch selbstsicheren Lässigkeit eines George Clooney getragen. Die Frisur sieht nicht mehr gestriegelt sondern irgendwie verwegen aus, die Kartoffelnase wandelt sich zu einer mit Charakter, der Blick, die Gesichtszüge, die Bewegungen entziehen sich allem Bravo-Milieu und steigen deutlich in Cosmopolitan-Bereiche auf.
    Kurz: da steht plötzlich ein Mann, und ein verdammt attraktiver noch dazu. Und dieser Mann singt...mit einer Stimme und auf eine Weise, die mir sogar bei dem einheitlichen Finalsong-Gedudel mit Siegerreimen wie "Fire-Desire" noch Schauer über den Rücken jagt. Er könnte auch Werbesongs trällern, das hätte glaube ich den gleichen Effekt. Ich hänge also wie stets mit offenem Mund und klopfendem Herzen vor der Glotze, bis der Auftritt vorbei ist, die Lichter angehen und....Zonk.

    Da steht schon wieder der Bubi. Der Höhenflug ist vorbei, und ich warte auf den nächsten Auftritt. Ich weiß immer noch nicht, wie er das macht, aber erlebt habe ich solch eine Wandlung noch nie und bei niemandem.
    Können Männer sich transformieren?

  • Nätsch

    Eine kleine, aber verstörende Episode. Ich saß gestern mit Freundin in unserem liebsten Araberladen. Tee und Wasserpfeife, was will man mehr. Auf dem Sofa gegenüber saß ein südländisch wirkender Mensch, der mich schließlich irgendwann ansprach. Folgender Dialog:

    Er: "Tanzen Sie bei dem nächsten Stück mit mir?"
    Ich: "Nein dankeschön, ich bin vergeben."
    Er: "Das macht mir nichts!"
    Ich: "Das macht _mir_ was."
    Er: Schweigen. Umdrehen, Jacke holen, gehen.
    Ich: Fassungslos-verwirrtes Hinterherstarren.

    Wenigstens meine Freundin hatte ihre helle Freude bei dieser Szene. Und mir geht seit dem der Refrain eines Wise Guys-Stückes nicht mehr aus dem Kopf:

    "Doch jetzt ist es zu spät - zu spät
    Jetzt ist es vorbei - bye bye.
    Jetzt sind wir sowas von vergeben
    Wer zu spät kommt, den bestraft nun mal das Leben."

    Sehr richtig Jungs. Und damit möchte ich an dieser Stelle ganz unfeinfühlig an alle Leidensgenossen des südländischen Menschen folgendes Statement abgeben: Nätsch!

  • Der Grinch geht um

    Man erwischt ihn nie direkt, den Grinch. Es ist nicht so, als würde man nachts aufstehen um einen Schluck Wasser zu trinken und das grüne Viech dabei ertappen, wie er sämtliche Geschenke und die Gästeseife zu klauen versucht. Auch anderen Personen meines Umfeldes ist er auf diese Weise bisher nie aufgefallen.
    Das muss er aber gar nicht - der Grinch von heute hat sich längst von dem Image des primitiven Kleinkriminellen freigemacht. Heute arbeitet er anders: mit unterschwelligen Botschaften und Hypnose.

    Ich habe keine direkten Beweise dafür, aber ich kenne seine Opfer. Meistens sind es Teenies die sich cool wähnen. Seltener ausgewachsene Exemplare der Gattung Homo Sapiens sapiens, die ihre Individualität pflegen und im Grunde ebenfalls nichts anderes tun, als cool sein zu wollen - auf ihre Weise. Sicher findet man auch mal jemanden in den Opferreihen, der etwas ganz anderes ist, aber die genannten beiden Zielgruppen stellen dennoch die erdrückende Masse dar.
    Es muss wohl so sein, dass der Grinch diesen hilflosen, japsend nach fremder Anerkennung oder eigenem Besonderssein suchenden Individuen im Schlaf, im Spiegel, oder als verzerrtes Wasserbild in der heimischen Kloschüssel begegnet, um sie dann mittels geschickt gesetzter psychologischer Signale á la "Wer Weihnachten mag ist doof und heißt Otto" zu manipulieren. Die Angesprochenen wollen natürlich weder doof sein noch Otto heißen, also gehen sie in die Welt hinaus um diese frohe Botschaft zu verbreiten.
    Um ihr Umfeld mit Selbiger zu überzeugen, zieht man dann solch treffende Argumente aus dem tiefschwarzen Hut wie weihnachtliche Kommerz, Heuchelei unterm Weihnachtsbaum, und - für die besonders versierten - Hochloben des Christentums trotz herrschender Religionsfreiheit. Und alles nur, um uns schafsgleichen Unwissenden, die ihre helle Freude an dem kommenden Fest haben, die Augen zu öffnen. Kostenlos, wohlgemerkt.

    Diese selbsternannten Propheten des Kritischen vergessen dabei seltsamerweise, den fragenden Blick auch auf die eigenen Untiefen zu lenken.
    So macht es sie beispielsweise nicht nachdenklich, warum sie ein - in der Form sicher nicht alltägliches - Treffen mit der gesamten Familie als Heuchelei empfinden, und wer dabei wohl der Heuchelnde sein mag.
    Sie fragen sich desweiteren nicht, warum sie beim Wort "Geschenke" erst einmal an die Kommerz, sprich ans liebe Geld, denken, und nicht daran, dass es vielleicht schön sein könnte, für seine Lieben ein passendes, individuelles Geschenk auszusuchen an dem diese sogar ihre Freude haben.
    Sie mögen auch keine Weihnachtsmärkte weil da doch so viele Leute und Lampen sind, obwohl das klinisch leuchtende und überrannte heimische Einkaufszentrum als durchaus angenehmer Ort empfunden wird.
    Sie rümpfen die Nase über die Verkauffstände mit Plätzchen und Waffeln, essen Derartiges jedoch gerne auf, wenn es ihnen jemand - oh weh! - schenkt.
    Schließlich macht es so einen Märtyrer der Weihnachtszeit überhaupt nicht stutzig, dass außer ihm kritischen Individualisten in jeder verfügbaren Ecke jemand steht, der auf die gleiche geheimnisvoll weltverschmerzte Weise dreinblickt und mit den gleichen Worten die gleichen eben entdeckten Wahrheiten über das Böse von Weihnachten in die Welt blöckt.

    Und je näher Weihnachten rückt, desto mehr dieser Kritiker kommen ans Tageslicht gerobbt, schließen sich zu einer Armee kleiner Hilfsgrinches zusammen, die durch die Stadtzentren und Forenlandschaften Deutschlands ziehen, um unschuldige Passanten mit ihrem im Chor gezischten Motto zu belästigen: "Ich haaaaaaaaaaasssssssssse Weihnachten!"

    *
    *

    P.S.: Wie sich dezent zwischen den Zeilen des Textes erkennen lässt, mag ich Weihnachten. Sollte sich also ein putziger kleiner Grinch hierher verirren, mag er sich seine "Selber doof"-Kommentare an die lustige Zipfelmütze stecken. Äwäwäwä.

  • Momente

    Der Tag heute begann nicht sehr schön. Mein Zahn, der gestern aufgebohrt wurde und Montag endgültig repariert wird, tat wieder weh und wollte nicht aufhören. Ich wollte mich im Einkauf ablenken, was teilweise gelang - gegen Ende kam jedoch auch da wieder Jammerstimmung auf, als da der ohnehin spärliche Schneefall aussetzte und alles nur noch kalt und klamm aussah, als hätte es bloß geregnet. Da entschied ich mich zu einem Notfallprogramm.
    Ich kaufte auf den letzten Metern den besten Vanillekipferl-Teig den ich kenne, eine Packung Dresdener Essenz "Candy" mit Schokolade und Vanille (das ist nicht zum Essen, das ist zum Baden), und eine Cosmopolitan. Die Kipferl wurden gebacken und so weit gegessen, wie es mein Magenumfang mitmachte, derweil das Badewasser einlief und es in der ganzen Wohnung nach Schokolade und Vanille zu duften begann. Meine Gereiztheit legte sich langsam.

    Dann kroch ich endlich ins Bad. Ich muss sagen, ich lobe mich erneut für meine Entscheidung, den Baderaum mit warmen Tönen umdekoriert zu haben...der Blick auf eine riesige Glasdose mit Rosen- und Blütenpotpourri, farblich passenden Schmuckfläschchen und flackernden Kerzen in Rot und Orange beruhigte fast genauso gut wie das heiße Wasser und der unnachahmliche Duft von "Candy". Da muss übrigens irgendetwas anderes sein...außer Schokolade und Vanille. Irgendetwas...Würziges, Warmes. Auf jeden Fall irgendetwas Hypnotisierendes.

    Ich lag also da, ganz in diesem Meer aus warmen Farben, Düften und bunten Bildchen in der Cosmopolitan versunken. Irgendwo zwischen dem Foto einer pinken, dreistöckigen Früchteschale und Ratschlägen zur besseren Selbstpräsentation gingen auch meine Zahnschmerzen, Enttäuschungen, und müden Füße unter.
    Am Ende war die Cosmopolitan ausgelesen, und ich spielte noch eine Weile Ayurveda. Dazu rolle man den Kopf leicht zurück, schöpfe mit der Hand so viel es geht von dem warmen Duftwasser, und lasse es von der Stirn über die Nase bis zum Kinn herunterfließen. Das ist zwar kein Ayurveda, aber das Gefühl ist unheimlich schön. Manchmal blieben Tropfen an der Nasenspitze hängen, das kitzelte, und war genauso schön.

    Nach 2 Stunden solcherlei Hardcore-Badings stieg ich nicht, nein, ich schwebte, im liebsten Kuschelmantel und Socken eingehüllt, aus dem Badezimmer, und brühte mir eine Tasse Earl Grey auf. Bei den Geräuschen des Wasserkochers realisierte ich auch erst, wie still es plötzlich war.

    Ein Blick aus der Balkontür....weiß. Alle Dächer, Bäume, die Straße, die gesamte Stadt sah wie eine riesige Schneekugel aus, und es fiel und fiel weiter Schnee: nicht die kleinen spitzen Flöckchen wie Mittags, nein, dieses Mal waren es riesengroße Bilderbuchflocken, ganz so wie es sich für eine kitschige Schneekugel gehört.
    Ich machte die Tür auf, stand mit meinem Tee auf der Schwelle und schaute mir diese plötzliche Idylle mit der stillen Freude eines Kleinkindes an, das soeben ganz allein aufs Töpfchen gegangen ist. So lange, bis meine Füße zu frieren begannen.

    Nun sitze ich wieder im Zimmer, aber zum Glück gibt es hier ein großes Fenster, durch das ich die Schneekugel draußen weiterhin beobachten kann. Ich trinke meinen Tee, knabbere an dem verbliebenem Gebäck, und fühle mich rundum glücklich.
    Am Ende kann man nur noch der wirklich wunderschönen Werbung eines wirklich widerlichen rot verpackten Getränks beipflichten: Es ist Weihnachten!

  • Gehirnzellenschwund breitet sich immer weiter aus

    Ja wirklich! Nach den USA, dem lange bekannten Brandherd dieser gefährlichen Krankheit, breitet sich die Epidemie des Gehirnzellenschwundes mittlerweile auch in Europa aus. Wahrscheinlich wurden irgendwo Sicherheitsmaßnahmen nicht beachtet und verseuchte Touristen konnten so die Grenzen der EU passieren, trotz deutlicher Anzeichen der Krankheit wie selbstgemachte pissblonde Extensions oder Superman-T-Shirts. Tja. Und nun ist ganz Europa angesteckt, und es werden ihrer mehr und mehr, dieser sonnenstudioverwöhnten Zombies, die "als wie" für eine gebräuchliche grammatikalische Figur halten. Hier einige Regeln, um der Krankheit selbst so lange wie möglich entgehen zu können:

    1. Meiden Sie Sonnenstudio, Nagelstudio und generell alle Einrichtungen mit "Studio" im Namen.

    2. Widerstehen Sie der Versuchung, Plastik an ihrem Körper anzubringen, trotz, dass sich so viele verlockende Möglichkeiten bieten (Haare, Gesicht, Brust, Bauch, Hintern, Hände, Fußballen...). Sollten Sie dennoch plötzlich das dringende Bedürfnis verspüren, sich wenigstens das eigene Haltbarkeitsdatum oberhalb des Beckens tätowieren zu lassen, dann schlagen Sie sich so lange mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf, bis die boshaften Gedanken wieder verschwinden.

    3. Beachten Sie bitte, dass der SMS-Guru keine staatlich anerkannte Religionsrichtung vertritt!

    4. Unterlassen Sie Satzkonstruktionen, in denen Laute wie "ey", "öh", und "joaaa" vorkommen. Gehen Sie unbedingt Personen aus dem Weg, die durch Benutzen selbiger auffallen.

    5. Wenn Sie einen Moderator im Fernsehen Codewörter wie "checken", "Family" und "Girls" sagen hören - schalten Sie umgehend ab und sagen Sie mindestens 100 Mal in Folge "E=mc²" auf.

    6. Sollten Sie in öffentlichen Internetforen an Beiträge geraten, in denen der Buchstabe "g" durch "q" ersetzt wird und "s" durch "z", sowie Konstruktionen wie "iwie" und "so iwie hald..." vorkommen - verschrotten Sie sofort ihren Computer und waschen sich die Augen mit Seife aus!

    Sollten Sie schließlich eines Morgens bemerken, dass Sie bereits infiziert sind, ist es noch lange kein Grund für Panik. Jetzt ist es wichtig, sich die letzte Würde zu bewahren! Versuchen Sie desweiteren auf keinen Fall zu behaupten, Ihre grammatikalischen Fehler kämen davon, dass Sie Legastheniker sind. Und vor allem - bleiben Sie mir um Himmels Willen vom Leib.

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit, und bleiben Sie gesund!

    P.S.: Ich entschuldige mich pauschal bei allen Sonnenstudiobenutzern, Arschgeweihträgerinnen, Leuten mit künstlichen Brüsten/Nägeln/Hintern/Haaren/Hirnen, etc. etc., die bis auf diese Merkmale geistig völlig zurechnungsfähig sind und durch einen normalen IQ-Wert glänzen. Sie sind selbstverständlich nicht gemeint. Ich meine jemand anders!

  • Kochen für Dreijährige

    Schonend vorgegarter Reis - gelingt immer!

    Das ist der stolze Slogan eines bekannten afroamerikanischen Reisherstellers, Werbung für den neuen vorgegarten Reis also. Klingt toll.
    Nun wusste ich nur nicht, dass man Reis irgendwie verderben kann. Ich meine...sicher, mit etwas Pech kann man sogar Nudeln zerkochen. Aber Reis?
    1 Teil Reis, 2 Teile Wasser, und wenn das Wasser weggekocht ist, ist der Reis fertig.

    Wo genau ist da der Schritt, bei dem etwas nicht gelingen kann?
    Gut, man kann beim Wasserabmessen die Tassenöffnung verfehlen...das ist natürlich eine oft unterschätzte Gefahr in deutschen Küchen. Oder man denkt dass ein halbes Töpfchen 4 Stunden zum Kochen braucht, ignoriert sämtliche dem widersprechende Zeichen und Gerüche, und hat am Ende einen kompakten Schwarzreiskuchen. Oder aber man vergisst, wie der Herd angeht...

    Wir sehen also, es gibt zahllose Punkte an denen Reiskochen schief gehen kann. Wenn man drei Jahre alt ist. Zumindest scheint die Werbung dies bei der Mehrheit der potentiellen Käufer vorauszusetzen.

  • Torschlusspanik

    Ich bin nun 25. Und stelle bei mir eine Torschlusspanik der etwas anderen Art fest. Es gibt nämlich neben einer Liste von Sachen die ich mal unbedingt haben will (siehe früheren Beitrag) auch eine Liste von Sachen, die ich mal lernen/machen/ausüben will.

    Die wichtigste Auswahl wäre: Reiten, Bogenschießen, normales Schießen, irgendeine asiatische Kampfkunst(da sind so viele ich bin zur Zeit überfordert, aber ich mag sie alle!), Yoga, Tauchen, Fechten, richtig Tanzen lernen von Standard bis HipHop, Schlittschuhlaufen...dazu natürlich noch sämtliche vorhandenen Länder gründlich bereisen.

    Es bleibt nur die kleine Frage...wann? Ich werde weder jünger, noch wird die Arbeit weniger...eher mehr. Ich habe Torschlusspanik :(

  • GZSZ-Szenario

    Manchmal kommt einem das Leben doch wie ein Groschenroman vor. Ich will eine kleine Geschichte erzählen, die vielleicht eines Tages als Vorlage für eine GZSZ-Episode geklaut werden mag, auf dass ich die Leute dann aufgrund Diebstahl meiner Lebensepisoden verklagen kann.
    Der Einfachheit halber sagen wir, es figurieren zwei Frauen und ein Mann unter den Codenamen: Huhn1, Huhn2, und Begatter.

    Unsere beiden Hühner lernten sich bei Beginn ihres Studiums kennen. Beide machten das selbe, beide waren erstmals weg von zuhause, beide tanzten gern zu Black und mochten alles was glitzert und funkelt. Die Hühner wurden schnell beste Freundinnen und liefen händchenhaltend durch die Gegend.
    Huhn1 hatte in der Zeit einen Freund, den Begatter. Mit dem Begatter war es da bereits fast drei Jahre zusammen, und die Luft war raus. Seit dem Studiumbeginn des Huhnes hatte man nicht einmal mehr ein Liebesleben...man hatte beidseitig einfach keine Lust. Aber man verstand sich trotzdem gut und trödelte so vor sich hin. Nach über einem halben Jahr des Studiums machen Huhn1 und Begatter, wie eigentlich längst überfällig, einvernehmlich Schluss, obgleich der Impuls zu diesem Thema vom Begatter ausgeht. Was Huhn1 im Grunde nur erleichternd findet.

    Der bittere Beigeschmack ist jedoch, dass Huhn1 seit einiger Zeit den starken Eindruck gewinnt, Huhn2 würde sich böse an den Begatter heranschmeißen - sie kriegt indirekt hier und da was mit und glaubt es schließlich. Erst recht, als am Tage der Trennung der Begatter behauptet, Huhn2 wolle ihn dringend sehen. Huhn2 und der Begatter kommen nach einiger Zeit auch tatsächlich zusammen, und Huhn1 regt sich fürchterlich auf, dass ihre beste Freundin so ein Verhalten an den Tag legt und nicht einmal den Mut aufbringt, mit eben jener Huhn1 zu reden.
    Sie beschwert sich auch manchmal beim Begatter darüber, der weiter ein freundschaftliches Verhältnis zu Huhn1 unterhält und darauf nie viel mehr als Schulterzucken erwidert. Irgendwann schließlich bricht auch der Kontakt von Huhn1 zum Begatter ab, und man geht endgültig getrennte Wege.

    Es vergehen 4 lange Jahre. Der Begatter meldet sich bei Huhn1 und will sich unverbindlich auf einen Kaffee treffen. Huhn1 willigt ein, und bei dem Treffen kommt heraus, dass all die Ereignisse damals ein bisschen anders waren.
    Nämlich dass der Begatter sich in Huhn2 verguckt hatte, und Huhn2 ihn monatelang schnitt und nicht reden wollte - bis er ihr schließlich nach der Trennung durch wochenlanges Nachlaufen doch noch einen "Beziehungsversuch" abverlangen konnte.

    Huhn1 erklärt all das nun nicht für begraben, sondern setzt sich tatsächlich hin und schreibt Huhn2 und bittet um Klärung. Daraufhin stellt sich weiter heraus, dass der Begatter beide Hühner planmäßig belogen hatte - Huhn1 erzählte er, Huhn2 würde ohnhin zu viel Angst haben mit ihr zu reden, während Huhn2 davon überzeugt wurde, dass Huhn1 auf keinen Fall mit ihr reden will.
    Wieso? Weil er die Monate vorher wiederum beide fröhlich belogen hat, und ihn beide vor die Tür gesetzt hätten, hätten sie die Sachlage der Trennung auch nur einmal untereinander geklärt.

    Da sitzen wir nun, wir Hühner...und sinnen auf Rache. Irgendwas, was 4 Jahre zerbrochener Freundschaft wett macht. Kastrieren vielleicht?

  • Erkenntnisse

    In meiner Kindeszeit war ich zu 90% mit Jungs zusammen, schlicht weil ich mit meinen Cousins aufwuchs und damit in ihrem Freundeskreis saß. Das hatte mich gelehrt Leuten ordentlich auf die Nase geben zu können und nicht zu heulen wenn etwas weh tut. Als Teenie sträubte ich mich in meiner Rebellion gegen alles Nichtschwarze, Röcke, Lächeln auf Fotos, Gespräche über Jungs oder auch nur Schnulzenromane gucken (von Lesen ganz zu schweigen). Und schniefte ganz heimlich vor mich hin als wir mit der ganzen Familie in "Titanic" saßen.

    Nun bin ich mittlerweile über solcherlei Phasen hinweg. Aber heute, nach meinem erfolgreichen Schuhekauf (siehe weiter unten), stellte ich fest dass ich immer noch den Drang habe mich für so etwas zu rechtfertigen...um ja nicht in die "Ah...Frauen eben"-Ecke geschoben zu werden. Nun sitze ich also da und frage mich...wieso?
    Und es geht ja gar nicht nur mir so...man wird generell sehr schnell und leicht als Tussi oder Zicke oder Heulemädchen abgestempelt, wenn man nicht einen auf Kerl im Rock macht (übertrieben ausgedrückt...aber die Tendenz ist irgendwie da). Und dann muss man x und x Mal beweisen dass sich Charakter und Blümchenkleid nicht per se ausschließen müssen. Ich weiß nicht...ich finde das gerade hochgradig blöd.

    Ich meine, ich bin eine Frau. Und als solche schniefe ich bei Schnulzenfilmen, gehe nicht ungestylt aus dem Haus, lackiere mir die Nägel, mag Schuhe, Handtaschen und Kleider, und ja verdammt, ich habe auch rosa Sachen im Schrank (auch wenn ich rot lieber mag). Ich mag auch noch Popmusik, gucke die Supernanny, lese die Cosmopolitan, und will alles kaufen was bunt ist und funkelt. Schließt nicht aus dass ich hochbegabt bin, eine der besten auf meiner Fakultät, genauso auch Rock, Bier und Fußball (solange man nicht unter meinem Fenster herumgröhlt) etwas abgewinnen kann, usw.

    Ich will all das aber nicht ständig beweisen müssen um die "weiblichen" Dinge wettzumachen, und das auch noch bei Männlein und Weiblein gleichermaßen. Das ist bescheuert. Ich höre ab sofort damit auf. Und wen es stört, ich hab spitze Absätze, die weh tun!

  • Geld ausgeben

    Ich fürchte ich entwickle einen kleinen Schuhtick...meine Großtante beglückte mich mit einem so verspäteten wie großzügigen Geburtstagsgeschenk an diesem Wochenende. Hier das Ergebnis!

    Schuhe1

    Schuhe2

    Schuhe3

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